Dreh in Mocambique

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Die unsichtbaren Menschen von Mosambik

Text: Heike Janssen

Wer morgens sein T-Shirt, seine Jeans oder seinen Anzug aus dem Schrank holt und sich überlegt, welche der vielen möglichen Kombinationen Jahreszeit und Gemütslage entspricht, denkt wohl kaum an die Menschen, die den Rohstoff für unsere Selbstdarstellung produziert haben.
Viele von ihnen leben und arbeiten so abgeschieden und so still, dass sie für uns unsichtbar bleiben.

Um die Baumwollfarmer in Mosambik kennen zu lernen, muss man sich auf eine lange Reise begeben. Sie leben fern von allem, was von uns als eine Form von Stadt bezeichnet werden würde.

Die Reise ist noch länger als die nun folgende Beschreibung der geografischen Umstände: Eine Nacht und einen halben Tag Tag braucht man, um von Deutschland aus nach Maputo, der Hauptstadt Mosambiks zu flegen. Die Hafenstadt Pemba im Norden des Landes liegt 3 Flugstunden von Maputo entfernt, das auch nicht gerade eine Metropole ist, wenn man bedenkt, dass die wichtigsten kulturellen Einrichtungen ein Ableger des Goethe Institus, das französische Kulturinstitut und ein kleines aber feines Theater sind. Pemba aber ist ein Kaff. Ein schönes Kaff zugegeben, mit Traumstränden am indischen Ozean. Wer aus Maputo kommt, bringt von dort statt eines Koffers Fernseher mit, Computer und Lampen. Das alles gibt’s in Pemba nicht. Der Supermarkt dort hat das überschaubare Angebot eines Tante Emma Ladens in den 50er Jahren.

Von Pemba fährt man zwei Stunden über eine Teerstraße nach Montepuez. Zwei Stunden oder auch mehr, wenn einen korrupte Polizisten aufhalten. Montepuez ist eines der Enden der Welt. Hier hört die Teerstraße auf, wie mit dem Lineal gezogen und geht in einen Sandweg über. Wer die Farmer besuchen will, quält sich mit einem Geländewagen über staubige Sandwege, ein, zwei, drei Stunden durch abgebrannte Baumwüsten und brachliegende Felder, ab und zu liegt am Wegesrand ein kleines Dorf, einfachste Hütten, ohne Strom, ohne Wasser. Radios? Fernseher? So gut wie nicht. Die Menschen sind von jeder Information abgeschnitten.

Kaum Autos auf den Wegen denn die kann sich niemand leisten. Das meiste wird zu Fuß erledigt. Die Leute hier schleppen alles, was sie brauchen, auf dem Kopf durch den staubigen Sand, durch das Gestrüpp, durch die Hitze. Bambus als Fachwerk und Dachstuhl für die Hütten, Gras für die Dächer, Holz zum Kochen, das Essen: Mais, Bohnen, schwere Wasserkanister. Kilometerweit. Wer Glück hat, besitzt ein altes klappriges Rad. Sammmeltaxis? Fast keine. Linienbusse? Fehlanzeige. Kann sich eh kaum einer leisten.

Wo Menschen leben, sind nur die einfachen Hütten auf Sandboden. Ein paar Bäume zum Schattenspenden in der gfleißenden Sonne. Nichts Buntes. Nur das Graubraun der Hütten, das Rot der Erde und etwas Grün der Bäume. Das einzig bunte sind die Röcke der Frauen, die Capulanas. Keine Cafes, keine Kinos, keine Clubs. Das gehört nicht in diese Welt. Daran braucht hier niemand zu denken.

Hier leben die Baumwollfarmer. Tagaus tagein. Immer nur: arbeiten um nicht zu verhungern.

Die meisten haben gar keine Alternative zu ihrem Leben als Farmer. Sie brauchen gar nicht erst zu träumen, Pilot zu werden, oder Börsenmakler. Das wäre sinnlos.

Wenn wir nach ihren Träumen fragen, geht es immer um kleine Dinge – aus unserer Perspektive. Sie wünschen sich Arbeit, sie hoffen, dass die Familie genug zu essen hat. Nicht überall in Afrika gibt es noch diesen Gemeinschaftsgeist, in dem das Wohl der Familien und der Dorfgemeinschaft über eigenem Wohl steht.

Sie sind sehr arm. Arm sollte man hier aber keinesfalls mit würdelos verwechseln. Wir haben den Familien Reis, Zucker und Waschmittel mitgebracht. Sie alle haben uns auch etwas geschenkt. Erdnüsse, Atafrüchte, Maniokmehl.

Die Baumwollfarmer sind bescheiden, aber stolz auf das, was sie mit ihren Händen verrichten und dessen Endprodukt wir morgens aus unseren vollen Schränken fischen.